K.O.-Mittel

Immer wieder kommt es vor, dass unter Verwendung von K.O.-Mitteln sexuelle Gewalttaten ausgeübt werden. Aber was sind überhaupt K.O-Mittel und wie kann ich
mich davor schützen?

Was sind K.O.-Mittel?

K.O.-Mittel sind häufig farblose, geruchs- und geschmacksneutrale Substanzen. Sie werden in Diskotheken, Kneipen und auf privaten oder beruflichen Treffen heimlich Getränken oder Lebensmitteln beigemischt, um potentielle Opfer wehrlos zu
machen. Als K.O.-Mittel werden u.a. Schlaf- und Beruhigungstabletten, Narkosemittel, Antipsychotika, Antidepressiva, Mittel gegen die Reisekrankheit,
Nachtschattengewächse wie z. B. die Engelstrompete und der körpereigene Stoff GHB (Gamma-Hydroxybuttersäure) verwendet.
Auch Alkohol und Drogen werden wie K.O.-Mittel eingesetzt. Die hilflose Lage der Opfer wird von den Tätern ausgenutzt, um Straftaten wie Körperverletzung, Diebstahl, Freiheitsberaubung, Vergewaltigung, Herstellung von pornographischem Material und Organraub zu begehen. Bei der Ausübung von Sexualstraftaten unter Verwendung eines K.O.-Mittels können die Täter nicht nur Fremde, sondern auch Bekannte oder sogar Freunde sein. Die Taten werden sowohl von Einzelpersonen als auch von Gruppen begangen.

Welche Wirkung haben K.O.-Mittel?

Das Spektrum der Wirkungsweise von K.O.-Mitteln ist sehr groß und vielfältig. Angefangen bei einer gehobenen Stimmung, Enthemmung und Lust bis hin zu
körperlichen Veränderungen wie motorische Unruhe, Benommenheit, Bewusstlosigkeit und letztlich auch Koma, Amnesie oder Tod.
Die Wirkung von K.O.-Mitteln ist – besonders in Kombination mit Alkohol oder Drogen – unkalkulierbar und lebensgefährlich.

Liste mit möglichen Wirkungen und Folgen von K.O.-Mitteln:

  • gehobene Stimmung
  • Euphorie
  • Enthemmung
  • Erregung
  • Lust
  • Rauschgefühl
  • Schläfrigkeit
  • Verwirrtheit
  • Orientierungslosigkeit
  • Bluthochdruck
  • motorische Unruhe
  • Sprachstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Benommenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelschwäche
  • Bewusstseinsstörungen
  • Bewusstlosigkeit
  • Koma
  • Amnesie
  • Erstickungstod durch Erbrechen im Schlaf
  • Tod durch Atemstillstand
  • Tod durch Multiorganversagen

Wer ist betroffen?

Es kann jeden treffen! Unabhängig von Alter, Geschlecht, Attraktivität, Bildung, Lebenswandel, Durchsetzungsvermögen…! Nicht nur Frauen, auch Männer werden Opfer von K.O.-Mittel-Delikten, z. B. wenn es um Raubüberfälle geht. Helfende Berufsgruppen wie Klinik-Ärzte, Rettungssanitäter und Gynäkologen berichten von einer Zunahme von Sexualdelikten unter Verwendung von K.O.-Mitteln. Wir wissen, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle gibt. Der Nachweis von einigen K.O.-Mitteln ist im Körper nur kurze Zeit möglich, da die Substanzen schnell abgebaut werden. In der Regel können sich die Betroffenen nicht oder nur bruchstückhaft an die Tat erinnern. Sie finden sich z.B. unbekleidet auf der Straße, in ihrer Wohnung oder im Krankenhaus wieder – meist ohne zu wissen, wie sie dort hingekommen sind. Häufig haben sie Verletzungen, z.B. im Genitalbereich und wissen nicht, wodurch und von wem diese verursacht wurden. In der Folge haben viele Betroffene mit Schuldgefühlen und Angstzuständen zu kämpfen und meiden soziale Kontakte. Gerade das Nichtwissen wirkt traumatisierend, da es für die Betroffenen mit einem Gefühl von Ohnmacht und Hilflosigkeit verbunden ist.

Wie können Sie sich schützen?

  • Behalten Sie Ihr Getränk im Auge! Nehmen Sie kein offenes Getränk an, wenn Sie die Zubereitung nicht beobachten konnten! Vertrauen Sie Ihrem Gefühl, wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt!
  • Sprechen Sie Freundinnen oder Freunde an, wenn es Ihnen schlecht geht oder Sie verwirrt sind!
  • Trauen Sie sich ruhig, zu reagieren, wenn Sie etwas Verdächtiges beobachten! Kümmern Sie sich um Freundinnen oder Freunde, die viel getrunken haben. Auch Alkohol kann als K.O.-Mittel eingesetzt werden
  • Drinkcheck: Wenn Sie ein beunruhigendes Gefühl haben, was Ihr Getränk betrifft, können Sie mit Hilfe eines „Drinkcheck Armbands“ ihr Getränk auf K.O.-Tropfen testen. Hier finden Sie weitere Informationen zum Xantus Drinkcheck Armband.

Was können Sie bei Verdacht auf K.O.-Mittel Gabe tun?

  • Rufen Sie einen Rettungswagen oder lassen Sie sich von Freundinnen oder Freunden in ein Krankenhaus bringen!
  • Wenden Sie Sich an eine Ärztin oder einen Arzt Ihres Vertrauens!
  • Wenden Sie sich an die Polizei!
  • Wenden Sie sich an uns. Wir unterstützen mit Information, Beratung und therapeutischen Gesprächen.

So können Sie Beweise sichern?

  • Nehmen Sie Gläser oder Flaschen mit, aus denen die oder der Betroffene getrunken hat! K.O.-Mittel sind je nach Wirkstoff im Körper nur 4 bis 72 Stunden nachweisbar. Im Glas bleibt der Wirkstoff länger unverändert erhalten.
  • Falls Sie nicht direkt zu einem Arzt gehen möchten, dann können Sie auch selbst zeitnah eine Urinprobe sichern – z. B. in einem Marmeladenglas. Und dann ab in die Gefriertruhe oder den Kühlschrank mit den Beweisen!

Eine selbst genommene Probe außerhalb einer sogenannten forensischen Untersuchung (eine Untersuchung zur Spurensicherung im Krankenhaus) wäre bei einem Gerichtsprozess nicht als Beweismittel verwertbar, da in so einem Fall nicht belegt werden kann, dass nicht die/der Betroffene die Probe manipuliert hat. Aber die Probe kann trotzdem von der/dem Betroffenen zur Untersuchung genutzt werden, um eine größere Gewissheit über das zu bekommen, was passiert ist.

Anti K.O.-Mittel Präventionskampagne ,,Alles unter K.O.ntrolle!?“

Mit dieser Kampagne möchten wir auf das Thema Grenzverletzungen und Gewaltausübung unter Verwendung von K.O. Mitteln aufmerksam machen. Die Kampagne verfolgt folgende Ziele, die durch verschiedene Angebote von uns verwirklicht werden: Aufklärung, Sensibilisierung und Bewusstmachung.

Eine Kampagne- Zwei Ansätze und Angebote

Aufklärung ist für uns eine Herzenssache. Sie muss möglichst früh und nah am Menschen stattfinden. Deshalb setzen wir mit dieser Kampagne an zwei Ebenen an.
Wir bieten zum einen Vorträge für Schulklassen an, wo wir Inhalte zu K.O.-Mitteln vermitteln. Zum anderen haben wir ein weiteres Angebot für verschiedene öffentliche Einrichtungen wie Gastronomien, Kneipen etc.

Kosten

Da wir für unsere Arbeit auf Spenden und Fördermittel angewiesen sind, können wir die Kampagne nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Jedoch versuchen wir, einen Preis zu finden, der sowohl für uns wie auch für interessierte Schulen tragbar ist. Kontaktieren Sie uns gerne!

Für Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse sowie für Professionelle und andere Interessierte bietet der notruf eine Präventions- und Aufklärungskampagne gegen K.O.-Mittel an. Hintergrund: In den letzten Jahren waren wir in der Beratungsstelle gehäuft damit konfrontiert, dass Frauen und Männer zu uns kamen, die durch K.O.-Mittel wehrlos gemacht und vergewaltigt wurden.
Im Rahmen von Vorträgen wird durch eine Mitarbeiterin des notruf anschaulich erläutert, was für Verbrechen mit K.O.-Mitteln verübt werden, wie die Wirkungsweise dieser Mittel ist und wie man sich schützen kann. Alternativ kommen wir auch in einzelne Klassen. Bei Bedarf bieten wir auch Elternabende an.

Wir bieten für verschiedene Einrichtungen und Locations, wie z.B. Gastronomen, Kneipen, Bars etc. Infomaterialien an, die auf das Bewusstmachen über die Existenz von sexueller Gewalt unter Nutzung von K.O.-Mitteln abzielen. So kann dieser Teil als eine Awareness-Kampagne verstanden werden. Mit Hilfe von Postern, Stickern und Bierdeckeln wird in einem gesellschaftlichen Kontext auf die Thematik aufmerksam gemacht. Durch die Poster erhält man nicht nur kurze Informationen über K.O. Mittel, sondern auch konkrete Handlungsanweisungen, was in solch einem Fall zu tun ist. Neben dem Ziel der Bewusstmachung dient das Material auch zur Abschreckung potenzieller Täter. Außerdem fördert die Kampagne das aktiv werden, erweitert das Handlungsrepertoire und stärkt die Selbstwirksamkeit, sodass sich Betroffene weniger hilflos fühlen müssen.
Bei Interesse können Sie sich für Materialien gern an uns wenden.
Für Betriebe im Gastrobereich, Diskopersonal, Streetworker, Sanitäter sowie andere Professionelle und Interessierte bieten wir auch Fortbildungen zum Thema K.O.-Mittel an. Kontaktieren Sie uns bei Bedarf.