Tagung 26. Januar 2019 – Verletzlichkeit, sexuelle Gewalt und der Zwang zur Verleugnung

Sexualität findet in einem Spannungsfeld entgegengesetzter Gefühle statt. Sie kann sowohl der Stiftung als auch der Abwehr von Nähe und Geborgenheit dienen, aber auch zur Ausübung von Gewalt missbraucht werden. In der Sexualität können unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte momentweise eine Erfüllung finden, wobei gleichzeitig unsere größten Ängste angesprochen und berührt werden. Die Grenze zwischen dem schöpferischen, kreativen Potential der Sexualität und sexueller Gewalt ist manchmal nicht leicht zu ziehen. Beides kann nah beieinander liegen.

Weil die Verwundbarkeit im Bereich der Sexualität so groß ist, ist auch das Potential zu traumatischen Erfahrungen und deren Abwehr besonders hoch.

Da Mechanismen der Abwehr, wie Verleugnung, weitgehend unbewusst sind, inszenieren sie sich unabhängig vom gesellschaftlichen und individuellen Aufklärungsstand. Dieses Gefüge aus Verwundbarkeit, Abwehr und Verleugnung macht das Leiden der Menschen, die sexuelle Gewalt erleben, besonders groß. Vor diesem Hintergrund ergeben sich zwangsläufig besondere Herausforderungen in der Behandlung und Beratung mit Betroffen von sexueller Gewalt.

Die Psychologische Beratungsstelle des notruf ist eine Einrichtung, in der sexuell traumatisierte Menschen psychosozial versorgt werden. Auf der Basis unserer langjährigen Erfahrung haben wir eine modifiziert psychoanalytische Behandlungsform entwickelt. Neben einer Fokussierung der mit dem Trauma verbundenen Affekte und unbewussten Konflikte können beispielsweise auch erste Fragen zu einem möglichen Strafverfahren oder Gerichtsprozess geklärt werden.

Programm 26.01.2019

Moderation: Dr. Torsten Siol

9.30 Uhr
Grußwort: Felicitas Jung

10.00 – 11:30 Uhr
Birgit Burkert:
Das Sexualdelikt – Erfahrungsbericht einer Rechtsanwältin

Eine Rechtsanwältin, die Opfer sexueller Gewalt vor Gericht vertritt, gewährt uns Einsicht in ihren Arbeitsalltag. Sie beleuchtet einerseits den individuellen Wunsch Betroffener nach einer Anerkennung erlittenen Leidens. Andererseits zeigt sie die juristische Realität auf, in der Phänomene von Verleugnung, Spaltung und Täter-Opfer-Umkehr auch auf institutioneller Ebene wirksam werden können. So wird eine Anerkennung des Erlittenen im juristischen Kontext nicht selten verunmöglicht. Stattdessen kann es im Erleben der Betroffenen zu einer Wiederholung des erlebten Leides kommen; insbesondere dann, wenn sie das Prozedere über sich ergehen lassen und es trotzdem zu keiner Verurteilung kommt.
Vortrag mit Diskussion

11.30 – 11.45 Uhr
Pause

11.45 -13.15 Uhr
Dr. Diana Pflichthofer:
Trennung vom Täter. Psychodynamische Überlegungen zur Situation des Opfers

Mit diesem Vortrag nähern wir uns der komplexen Situation der inneren Trennung vom Täter. Da Menschen, die sexuelle Übergriffe erleben, in der Regel nicht mit einem Fremdtäter konfrontiert sind, sondern mit einer Person aus ihrem vertrauten Umfeld, müssen sie in der Bearbeitung der erlittenen Übergriffe eine Trennung von einem Täter vollziehen, dessen Liebe und Anerkennung gleichzeitig auch ersehnt wird und dessen Taten nicht selten Teil der eigenen unbewussten Struktur geworden sind. Dies macht die Loslösung von Tat und Täter ungemein schwer und dies hat auch behandlungstechnische Implikationen. Vortrag mit Diskussion

13.15- 14.45 Uhr
Mittagspause

14.45 -16.15 Uhr
Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini:
Missbrauch der Sexualität: Abwehr weiblicher und männlicher Potenz. Über eine Form der Gewalt

Wir widmen uns dem Phänomen der Sexualisierung als Abwehr von echter Beziehung: Zum autonomen Individuum gemacht zu werden, führt zu immensen Schwierigkeiten für die Sexualität, macht sie doch mit Macht darauf aufmerksam, dass Selbstbestimmung eigentlich zur Berührungslosigkeit und Fremdbestimmung neigt. Sexualität dagegen ist die beängstigende und lustvolle Fähigkeit, die individuellen Grenzen zu übersteigen. In diesem Dilemma kann Sexualisierung als Abwehrform gegen Beziehung und innere Nähe eingesetzt werden. Darin liegt sexuelles Elend, das dann wiederum sekundär zu Gewalt führen kann.
Vortrag mit Diskussion

16.15 – 16.45 Uhr
Kaffeepause

16.45 – 18.15
Dr. Jürgen Thorwart:
“Aber sie wollte es doch …”
Grenzverletzungen in der Lehranalyse und in der Arbeit mit (sexuell traumatisierten) PatientInnen.

In diesem Vortrag beleuchten wir die oft schwierige Gratwanderung zwischen notwendiger Grenzüberschreitung und schädigender Grenzverletzung im Bereich der Ausbildung zum/zur Psychotherapeuten/Psychotherapeutin und in der psychotherapeutisch-psychoanalytischen Arbeit. Die Arbeit mit sexuell traumatisierten PatientInnen und in Nachfolgetherapien stellt besondere und nicht leicht handhabbare behandlungstechnische Anforderungen an PsychotherapeutInnen und PsychoanalytikerInnen.
Vortrag mit Diskussion

18.15 Uhr Ausklang

Tagungsort:

Atlantic Grand Hotel Bremen
Bredenstraße 2
28195 Bremen

Tagungsgebühr:

80 € Gäste
40 € KandidatInnen/StudentInnen
Fortbildungspunkte: 9

Anmeldung online unter:

Tagung@notrufbremen.de

Die Tagungsgebühr ist zu entrichten an:

Förderverein notruf e.V.
IBAN: DE43 2905 0101 00815721 90

Rahmenprogramm:
In der Tagungsgebühr sind enthalten:

  • Getränke im Tagungsraum
  • Mittagessen in Form eines Lunchbuffets
    inkl. eines Softgetränks
  • „Atlantic Break“ mit Heißgetränken
    und Kuchenauswahl am Nachmittag
  • Ein Block und Stift pro Person

Hotels:

Atlantic Hotel Bremen
Bredenstraße 2
28195 Bremen
Telefon: 0421 620620

EZ 120,- €, DZ 150,- € inkl. Frühstück
Abrufkontingent bis 8 Wochen vor Veranstaltung unter
dem Stichwort „Tagung notruf“.

Hotel IBIS Bremen City
Rembertiring 51
28203 Bremen
Telefon: 0421 36970

EZ 65,- €, DZ 88,- € (inkl. Frühstück)
Abrufkontingent bis 8 Wochen vor Veranstaltung
unter dem Stichwort „Tagung notruf“.

Townside Hostel Bremen GmbH
Am Dobben 61-62
28203 Bremen
Telefon: 0421 78015
Preise auf Anfrage im Hostel

Privater Modus



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Impressum

Psychologische Beratungsstelle des notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V

Fedelhören 6
28203 Bremen
Telefon: (0421) 151 81

Email: info@notrufbremen.de

Der Verein ist gemeinnützig anerkannt.
Amtsgericht Bremen: Vereinsregister Nr.: 3656
STNr.:71-609 05888, Finanzamt Bremen-Mitte

Vertretungsberechtigter Vorstand:
Dr. Angela Stoklosinski
Dr. Sabine Gaiser