Kooperations-, Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit

Etwas gegen sexuelle Gewalt zu tun bedeutet nicht nur Betroffenen professionelle Hilfe anzubieten, sondern auch sich mit unserer Gesellschaft und ihren Strukturen auseinanderzusetzen und gegebenenfalls daran mitzuwirken, diese zu verändern. Für diesen Auftrag steht der notruf in Bremen ein.

  • Durch Öffentlichkeitsarbeit und Medienpräsenz bringen wir das Thema der sexuellen Gewalt und die damit verbundenen individuellen Folgen in den gesellschaftlichen Diskurs.
  • Im regelmäßigen Austausch mit den PolitikerInnen unseres Landes diskutieren wir Handlungsbedarfe sowie Veränderung von Strukturen, die wir für notwendig und unterstützenswert halten. Als unabhängige Nicht-Regierungs-Organisation können wir uns kritisch und innovativ bei Missständen zu Wort melden.
  • Der notruf bietet ein breites Fortbildungs- und Aufklärungsprogramm für verschiedene Professionen an.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

In der konkreten Arbeit mit Menschen, die sexuelle Gewalt erlebt haben, entstehen immer wieder vielschichtige Probleme, die nur in einem interdisziplinären Forum bearbeitbar sind. Deshalb ist eine gute Vernetzung im psychosozialen Versorgungsnetz unabdingbar.

Bereits in den Anfängen der Beratungsstelle zeigte sich die Relevanz einer Kooperation mit verschiedenen Berufsgruppen, als in den 90er Jahren der Arbeitskreis „Bremer Modell“ durch den notruf ins Leben gerufen wurde. Das Ziel bestand darin, unterschiedliche Berufsgruppen, wie z.B. Rechtsanwälte, Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei, Kriminaltechnische Untersuchungsstelle (DNA Analytik der Polizei), Bremer Kliniken/ GynäkologInnen, die in ihrem Berufsalltag mit Betroffenen in Berührung kommen, miteinander zu vernetzen.

Zugunsten einer Effizienzsteigerung änderten wir innerhalb der letzten Jahre die zeitliche und strukturelle Zusammensetzung des Arbeitskreises, sodass dieser heute bedarfsorientiert zu fachspezifischen Themen, Problemlagen und zur Aktualisierung des jeweiligen Wissensstandes tagt. Die Etablierung der Anonymen Spurensicherung nach Sexualstraftat, die seit März 2012 in Bremen möglich ist, kann als ein Ergebnis der engagierten Zusammenarbeit einer gesonderten Arbeitsgruppe des „Bremer Modell“ hervorgehoben werden.

Von den Kooperationen profitieren, neben den unterschiedlichen Berufsgruppen, vor allem die Betroffenen. Durch den Austausch mit unterschiedlichen Berufsgruppen ist es möglich, für den Umgang mit Betroffenen sexueller Gewalt zu sensibilisieren und auch Belastungen, die z.B. mit einer medizinischen Untersuchung samt Spurensicherung, einer Anzeigenerstattung und eines Gerichtsverfahrens verbunden sind, zu mildern.
Durch ein gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen fachbezogenen Arbeitsaufträge der Institutionen und entsprechenden Vorgehensweisen (z.B. Vernehmungen durch die Polizei), gelingt uns im notruf eine erste umfassende Beratung der uns aufsuchenden Klientinnen und Klienten.